Vom Kreativen Loch

Seit vielen Wochen beschäftigt mich ein Problem. Um einen Einstieg zu finden, darüber zu schreiben, habe ich es mal gegoogelt. Herausgekommen ist so viel zu diesem Thema, dass ich schon fast beleidigt war, dass mein Problem nicht nur mir gehört, ja im Gegenteil quasi ein Allerweltsthema zu sein scheint: DAS KREATIVLOCH!

Es befällt anscheinend zuverlässig fotografierende Menschen, die wiederum im Netz alle möglichen Gegenmaßnahmen veröffentlichen, die helfen sollen, aus dieser stagnierenden Phase wieder herauszukommen. Da rät man:

 – sich auf bestimmte thematische Bereiche des Fotografierens zu spezialisieren 
– an Wettbewerben teilzunehmen
– die Technik zu ändern, analog zu fotografieren.
– jeden Tag ein Photo zu machen.  

Dazu schreibt ein Fotoblogger: „… Andererseits gibt mir der Zwang zum täglichen Fotografieren auch die Energie meinen Hintern hoch zu bekommen und wenigstens ein Foto zu machen. Meine Ansprüche sind derzeit auch nicht sehr hoch – ich bin froh überhaupt ein Bild zu machen und es hoch zu laden…“

Ich habe keine Gegenmaßnahmen ergriffen und keine Bilder gemacht, obwohl meine Semesteraufgabe auf mich wartete und Monat um Monat verstrich.

Im Gegenteil sitze ich meine Blockade aus. Horche in diese Hemmung, diese innere Weigerung hinein, versuche, zu verstehen, was los ist. Gebe mir die Freiheit, nichts zu wollen und zu warten, was passiert.

Natürlich ist dieser Zustand ziemlich ungünstig, wenn man einen Blog über seine Weiterbildung schreibt. 

Aber einiges hat mich mein „Problem“ schon jetzt gelehrt: Was ich nicht fotografieren will oder kann, welche Bilder mich langweilen und unberührt lassen, welche vor allem nichts mit mir zu tun haben, vielleicht nie hatten. Und was dann bleibt. Und gesehen werden will. Manchmal, plötzlich, unvermittelt.

Wenn ich meine Kamera sehr selten doch in die Hand genommen habe, sind Ergebnisse herausgekommen, die in den wenigsten Fällen schön oder gar herzeigbar wären, die mich irritieren, manchmal erschrecken. Dafür zeigen mir die Bilder in ihrer Seltsamkeit meine Irritation, meine Wut, meinen Frust, aber auch Kraft und Neugier, und sprechen darin eine eigene Sprache. Meine Sprache? 

Wenn das ein Weg ist, dann haben sich die vergangenen Wochen gelohnt, auch wenn ich bedauere, dass soviel Zeit für die Umsetzung meiner Semester-Aufgabe und für meine Coachingtermine ungenutzt blieb, dass fast ein halbes Jahr Heldenreise recht einsam vergangen ist.

Und vielleicht werde ich sogar ein bißchen wehmütig sein, wenn mich die Starre irgendwann leise verlässt und mich aus dem fotografischen Krankenstand entlässt.

Jetzt habe ich noch einen Monat bis zur nächsten Themenwoche…

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