Über die Ausdruckskraft

Lange habe ich nicht recht gewusst, wie ich diese die dritte Impulswoche wiedergeben kann, in deren Mittelpunkt das Portrait in all seinen Varianten stand:  Eine sehr intensive Lern- und Übungswoche, die vor allem viel Auseinandersetzung mit unserer eigenen Haltung und Sichtweise fordert, mit unserer Bereitschaft und Möglichkeit, uns auf unser Gegenüber einzulassen.

Was unterscheidet ein Porträt vom Nichtportrait? Was zeigt ein Porträt, das über das äußere Aussehen hinausgeht?

Wo ist mein spezieller Anknüpfungspunkt zu, wie die Kommunikation mit meinem Gegenüber, und wie schärfe ich Blick und Gespür,  um widerzuspiegeln, wie ich mein Gegenüber sehe?

Unsere erste Aufgabe: Erstellt ein Baumportrait!

Der Vorteil: Es ist eine mehr einseitige Annäherung: Sie gibt uns alle Zeit der Welt, Kontakt aufzunehmen, den passenden Blickwinkel zu finden, der Baum zeigt sich uns geduldig, verstellt sich nicht, wir dürfen ihn interpretieren, wie wir höchstselbst empfinden.

Jürgen und Carmen haben einen passenden Ort für uns gefunden: Eine große Wiese, eingerahmt von mächtigen Eichen und Buchen. Zielstrebig marschieren meine Mitstreiter auf einige besonders imposante Exemplare zu und beginnen, sie intensiv zu erkunden.

Fotos: Jürgen WassmuthIch bin noch etwas unschlüssig und dann entdecke ich sie: eine Birke, groß und schlank gewachsen wie es ihrer Art entspricht, und völlig alleinstehend im Mittelpunkt der großen freien Wiese. Ich lasse mich auf sie ein: Sie steht da, selbstbewusst und ein wenig kapriziös, eine Artistin in der Manege im Rampenlicht der strahlenden Märzsonne, in gebührendem Abstand umringt von ihren dunklen knorrigen Zuschauern.

Carmen gibt sich noch nicht zufrieden mit meiner Annäherung: Wie beschaffen ist dieser Baum, die Rinde, was macht sie in meinen Augen einzigartig, wie ist ihre Bewegungsrichtung, wohin strebt sie? 

Fotos: Jürgen Wassmuth

Die weiße Haut lässt die Birke noch mehr leuchten, hebt sie ab von allen anderen Bäumen, ausdrucksstark die Kontraste der Schatten in ihrer Rinde. Ihre feinen Äste bewegen sich leicht in der Frühlingsluft. Eine Tänzerin!

Ich habe meinen Blick gefunden. Freue mich, weil ich glaube, ihr gerecht geworden zu sein und beginne zu fotografieren.

10 Bilder sollten wir aussuchen, um „unseren“ Baum zu portraitieren, 8 Fotos gefielen mir letztendlich und diese drei davon spiegeln bei der anschließenden Bildbesprechung den Ausdruck „meiner“ Birke in den Augen unserer genauen Dozenten wider.

Baumportrait Birke, Woche des Ausdrucks, Wennheldenreisen, Woche des Ausdrucks

 

 

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