Rendevouz mit einem Preisträger

Buchpreis für Martin Timm

Es ist schon ein bißchen her, da hatte ich eine Verabredung. Mit einem Buch: „Haiku fotografieren“ von Martin Timm.

Gerade hatte der Titel einen Deutschen Fotobuchpreis gewonnen, ein Grund mehr, sich damit zu befassen. Schließlich ist uns das Haiku-Thema seit der ersten Impulswoche immer wieder begegnet.

Da der Untertitel heißt „Ein neuer Ansatz für die Naturfotografie“, beschloss ich, mir dieses Buch gleich im richtigen Ambiente anzuschauen, am Ufer unseres vorfrühlingshaften Weihers.  Der Schnee hatte sich gerade ausreichend zurückgezogen, um mir ein trockenes Plätzchen zu überlassen.

Ein haptisch wirklich schönes Buch, quadratisch, in mattem Hellgrün mit passendem Stoffrücken. Also schlug ich das Buch auf, begann zu blättern im ersten Teil mit vielen ganzseitigen Haiku-Naturfotos. Und dann passierte etwas. Eine Verschmelzung. 

Ich bin ja nicht so der Naturfototgrafietyp, habe in den Seminaren und vor allem in der Praxis schon ganz schön gekämpft, um mich diesem Stil zu nähern, aber diese Assimilation von Buchinhalt und zufälliger Umgebung hat mich wirklich geflasht!

Anschließend las ich über Haikus, die kleinen japanischen Dreizeiler, deren Poesie Martin Timm dazu inspirierte, ihre Form der Lyrik auf seine Naturfotografie zu übertragen und sie für sich dadurch ganz neu zu entdecken.

Ich las über fernöstliche Philosophieansätze, über Zentraditionen und japanische Kunstformen, über den Begriff von Raum und Zeit, über die Deutung von Schönheit in West und Ost und über die Leere als Grundlage für ein gutes Kunstwerk.

Aber auch darüber, sich loszusagen von vorgegebenen Bildmustern und Sehgewohnheiten und von den eigenen Ansprüchen, zu viel zu „wollen“:

„…Nur wenn ich alle Konzepte, Vorstellungen und Erfahrungen beiseite lasse und von nichts ausgehe (….),kann ich mit der Kamera all das erfassen, was ich gerade erlebe.“

Haiku zu fotografieren heißt, so verstehe ich es, sich auf einen Moment vollkommen einzulassen und ihn in seiner Vergänglichkeit fotografisch einzufangen. Reduziert, schlicht und einmalig. Im dritten Teil des Buches finden sich zahlreiche Hinweise für die fotografische Umsetzung – und immer wieder Bildbeispiele.

Was nehme ich mit aus diesem Buch? Es macht Spaß, darin zu lesen, vorwärts zu schmökern und zurückzublättern. Für mich ist dieser Ansatz und diese Hingabe nicht nur für die Naturfotografie inspirierend. Dazu erhält man einen wunderbaren philosophischen Exkurs, der auch Nichtfotografen begeistern kann und mich hat es letztendlich motiviert, noch schnell  zwischen Altschnee und erstem Frühlingsgrün mit der Kamera herumzuspringen. Ob das nun Haikus sind??? 

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