Klostermühle am Ammersee wird Ausstellungsraum für Heldenreise

So, Jetzt wird’s ernst! In 6 Tagen, am kommenden Samstag startet unsere Ausstellung. Wir vier Absolventen sind mega-aufgeregt!

Noch liegen ein paar Tage schrauben, klopfen und Kabel verlegen vor uns, damit wir das tolle alte Mühlengebäude als Ausstellungsraum nutzen können, aber dann wird es glaube ich, richtig spannend. Hier die Einzelheiten zu unserer Ausstellung, wir freuen uns über alle, die vorbeikommen und mit uns feiern mögen!

Und  exklusiv für den blog gibt es die ersten Bilder der ausstellenden Fotografen als Vorgeschmack, eine ausführliche Berichterstattung der Eröffnung folgt….

Michael Kickum: Ich gebe dir Raum
Frank Friedrich: Frieden und Wildsein
Gerd Graef: Reflexionen
Bettina Buschbeck: Was bleibt

Windach am Ammersee: Absolventen von „WennHeldenReisen“stellen aus

Vier Fotografen zwischen Bayern und dem hohen Norden arbeiten gerade auf Hochtouren: Der zweite Jahrgang von WennHeldenreisen (und damit auch die Autorin dieses blogs) bereitet seine Abschlussausstellung im bayrischen Windach vor.

Zur Vernissage am 18. Mai werden die ganz unterschiedlichen Arbeiten zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt, denn wir Fotografen selbst wissen auch nicht, was unsere Kollegen mitbringen werden. Einen Vorgeschmack werde ich aber demnächst auf diesem blog präsentieren!

Ausstellungsort ist die „Alte Klostermühle“ in Windach, westlich von München. Exklusiv für die Ausstellung wird das charakteristische Gemäuer von uns mit Licht und Hängungsmöglichkeiten für die Bilder ausgestattet.

Ende einer Reise?

Damit gehen auch für mich zwei aufregende Jahre Heldenreise zu Ende, über die ich hier im blog berichtet habe, mit allen Highlights, Aha-Momenten, Höhen und Tiefen einer künstlerischen Auseinandersetzung. Ein Schlusspunkt ist damit nicht gesetzt, im Gegenteil! Ich habe so viel mitgenommen….

Momentan feile ich mit Carmen, meiner Dozentin und Coachin noch am Ergebnis der letzten Etappe. Es bleibt spannend für uns beide bis zum letzten Moment!!

Vernissage am 18.05.2019

Zur Ausstellungseröffnung am Samstag um 17.30 sind alle vier Fotografen anwesend und laden die Besucher herzlich ein zu Bildern, Getränken und ein bißchen Party!

Die Dozenten von „WennHeldenReisen“ kommen mit ihrem berühmten „WennHeldenReisen“-Mobil angereist und informieren Interessenten über die Akademie.

Die Ausstellung läuft bis zum 02. Juni 2019 und ist jeweils Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet.

„WennHeldenReisen“ fotografieren an der Himmelpforte

Die „Woche des Ausdrucks“ fand nun schon zum zweiten Mal im Ort mit dem poetischsten aller Namen statt:
In „Himmelpfort“ inmitten der Feldberger Seenplatte im Havelland. Himmlisch gemütlich habe ich die Räumlichkeiten in der „Mühle Himmelpfort“ in Erinnerung mit Platz für Ruhe und Geselligkeit, und himmlisch vielfältig die Möglichkeiten zu fotografieren, mit viel Raum zwischen Himmel und Wasser, um Ausdrucksformen zu suchen und zu finden…

Impressionen einer Aufgabenumsetzung, von den Dozenten für den blog eingefangen: Die charakterstarken Models für diese Arbeit sind schon Tradition bei der Woche des Ausdrucks …

.. und die Teilnehmerinnen des Jahrgangs III hielten sie in diesen Porträts fest – vielen Dank für die wunderbaren Eindrücke!

Baumporträt – Brigit-Ruprecht
Baumporträt – Karin-Hamann-Wehe
Baumporträt – Barbara-Ritzkowski
Baumporträt – Maria Bartl
Baumporträt – Renate Frei

Woche der Wahrnehmung

Ich hatte für die Ostertage ein paar hübsche Osterpräsente im Blog geplant:
Jeden Feiertag einen Beitrag über Neuigkeiten von „WennHeldenreisen“.

Aber der blog hatte wohl auch Ferienpause und die Bilder für die Beiträge ließen sich einfach nicht hochladen. Nun geht es wieder und hier kommt Teil 1 der Helden-News! Ein weiterer Rückblick und eine Ankündigung folgen die nächsten Tage.

Deshalb dranbleiben und reinschauen – es lohnt sich!!!

Bereits zum vierten Mal startete ein Jahrgang der Akademie und traf sich zur ersten Impulswoche, der „Woche der Wahrnehmung“ im Süden des Landes, am Starnberger See, im Kloster Bernried:

Jahrgang IV „WennHeldenReisen“

„Es war toll dort, wir haben mit den Schwestern gescherzt, und es gab jede, jede Menge Schneeglöckchen!
An einem Abend haben wir Carmens und Jürgens Ausstellung besucht, eine Exklusivführung bekommen und danach einen sehr, sehr lustigen Abend bei einem Italiener gehabt.
Und für unsere Team-Besprechungen zwischendrin hatten wir ein ganz besonderes Séparée: einen kleinen Hochgarten über den Dächern des Bauwerks. Da oben gab es auch einen schmackhaften trockenen Roten.“

Erfolgreich gearbeitet wurde sowieso: Hier dürfen wir exklusiv die Abschlussarbeiten der Teilnehmer/Innen vorstellen:

Dafür herzlichen Dank!

Diptychon – Ralf Drost
Diptychon – Petra Müller-Glodde
Diptychon – Claudio Jarat


Diptychon – Anne Killat

Fotografie im Frühling

Frühling ist für mich das große Fest der Draußenfotografie. In keiner anderen Jahreszeit geschieht innerhalb weniger Tage so viel in der Natur. Nun habe ich das Glück, nahe an einem wunderschönen naturbelassenen Bachlauf zu leben, an dem ich herumstromern und mich herrlich verlieren kann. Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr beglückt: das scheinbar ziellose Umherstreifen in Gummistiefeln unter Altholz hindurch, am Wasser entlang, in schierer Freude über alles, was der Frühling vor mir ausbreitet. Oder doch der genaue Blick, der mich dazu verleitet, mich vor ein Leberblümchen hinzukauern, um ihm mit der Kamera auf Augenhöhe zu begegnen. Dieses Jahr hat es mich ganz besonders erwischt und ich habe mich damit gewissermaßen in die Tradition von „WennHeldenReisen“ eingeklinkt.

Denn jeder, der Martin Timm eine Weile als Dozent erlebt hat, weiß von Martins Liebe zu Schneeglöckchen. Kein März ohne neue feine Impressionen, kein Frühling ohne Schwärmerei für die zarten weißen Gesellen…. Und ich bin mir sicher, nicht wenige unter uns haben sich schon mal von Martins Begeisterung anspornen lassen, sich auch in die feuchte Frühlingserde zu werfen, um so ein Zauberbild mit nach Hause zu nehmen….

Dieses Jahr also auch ich. Frühlingsknotenblumen, Märzenbecher, falsche Schneeglöckchen oder wie sie auch immer heißen mögen, haben es mir angetan. Nein, es sind nicht dieselben, nicht so zart und schlank in der Blüte wie Martins Models, aber vielleicht liegt es an meinem bayerischen Gemüt, dass ich diese gepunkteten Verwandten mit ihren barocken Formen so in mein Herz geschlossen habe. Und: es gibt von ihnen Hunderte. Tausende. Verschwenderisch breiten sie sich aus, ergießen sich in weiß grünen Teppichen den Bachlauf entlang, schieben sich durch die Wurzeln an der Böschung bis zum Wasser herunter. Ein Fest für Auge und Herz.

Und nun die fotografische Erkenntnis: So wunderbar sie sich mir im Detail erschließen mögen, als einzelne Blümchen, den Eindruck der Gesamtheit bekomme ich nicht annähernd aufs Bild; jedes Foto macht den wahren Zauber ein bißchen platt. So bin ich mit den schönsten Bildern in mir und wenigen Annäherungen in der Kamera nach Hause gepilgert und habe doch so viel mitgenommen. Zwei Jahre Heldenakademie haben mir die Sinne geschärft fürs Sehen, haben mir den Zugang für das sich Einlassen ermöglicht und die Erkenntnis, dass die Fotografie bestimmt noch ganz andere Wege gehen kann, die es zu ergründen gilt…..

Ich wäre ja wahnsinnig neugierig, ob irgendwo da draußen das ultimative Schneeglöckchenteppich-Zauberbild existiert und seinen Weg in diesen blog findet?

Winterakademie: „Workshop intensiviert und verdichtet meine Fotografie“

Dietmars Spezialbereich ist die Architekturfotografie. Er ist seit 25 Jahren Mitglied in einem  Fotoclub mit über 100 Mitgliedern und leitet diesen mittlerweile. Mit einem Siegerfoto bei einem Fotowettbewerb hat er die Teilnahme an der „Winterakademie“von „Wenn HeldenReisen“ gewonnen.
In diesem einwöchigen Intensivseminar kann man in die FotokunstAkademie gründlich hineinschnuppern und und ein Thema seiner Wahl coachinggeführt erarbeiten.

Dietmar: „Durch meine Beschäftigung – im Besonderen mit der doch sehr speziellen Nachbearbeitung meiner Aufnahmen – habe ich schon etwas Abstand zu der klassischen Architekturfotografie bzw. dem gegenständlichen Abbilden bekommen. Es standen bei mir immer mehr die Visionen im Vordergrund, die ich beim Betrachten einiger architektonischen Kunstwerke empfunden habe.

Aber was mir bei diesem Workshop geboten wurde, hat mich dem Medium weiter geöffnet und mich zu einem Umdenken in meinem fotografischen Tun motiviert.
Auch die Umsetzung von Bildideen ohne große nachträgliche Bearbeitung hat mich bei den gezeigten Arbeiten der Kursleiter sehr beeindruckt, ich war überrascht, was da alles möglich ist.

Coaching-Erfahrungen

Die Coaching Runden waren für mich die Highlights des Workshops. Wann hat man schon mal Gelegenheit, mit einem erfahrenen Dozenten so konzentriert an einem Thema zu arbeiten und dann noch das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass etwas aus einem herausgekitzelt wird, das tief im Innern verborgen ist?

Auch die ruhige Art von Jürgen und die stressfreie Atmosphäre des Umfeldes haben ihr übriges dazu beigetragen. Wir haben uns blendend verstanden und ich hätte mich Stunden lang mit ihm über die Fotografie austauschen können.

Jürgen hat mit viel Gespür erkannt, dass mich die Architektur weiterhin sehr bewegt und nicht loslässt.
So hat er ein Thema aus mir herausgelockt, wovon ich direkt begeistert war – die Architektur der Natur. Dazu habe ich kein großes Umfeld an Motiven mehr gebraucht, die sind mir quasi in die Linse gesprungen.

Das hieß aber auch, mir im Vorfeld mehr Gedanken über meine Bildideen und deren gestalterische Umsetzung mit der Kamera zu machen. Da hat schon ein Umdenken stattgefunden. Die Auseinandersetzung schon beim Fotografieren, das ist ja das große Ziel. Wenn ich einfach ein Objekt fotografiere, und innerlich passiert gar nichts, dann fehlt mir auch beim Ansehen etwas. Dagegen, wenn ich schon beim Fotografieren etwas verspüre und glücklich bin mit dem Bild, dann  überträgt sich das auf das Ansehen später. Dann hat man das Bild gemacht, das man machen wollte. 

Jürgen hat mich ermutigt, mehr zu wagen, mehr zu spielen mit den Möglichkeiten, die man hat. Anfänglich bin ich noch nach meiner herkömmlichen Manier mit vollem Fotorucksack und Stativ losgezogen, um bloß alles dabei zu haben und gewappnet zu sein. Von Tag zu Tag wurde dies weniger und am letzten Tag hatte ich nur noch meine Kamera mit einer Linse bei mir. Rückblickend muss ich feststellen, dass da die besten Bilder für mich entstanden sind.

Äste als flächige Form..

Struktur und Licht

Geometrie des Winters

Das ist mein Lieblingsbild. Die Lichtbrechung im scharfen Bereich, diese Interferenzerscheinung,  hat mich selbst umgehaun.

Was nehme ich für mich mit und was hat sich geändert

Ich war vor dem Workshop gesättigt von den Bildern, die man tagtäglich zu Hauf zu Gesicht bekommt und einen nicht mehr ansprechen. Es fehlt bei vielen Bildern das gewisse Etwas, auch wenn sie technisch einwandfrei umgesetzt sind und da klammere ich mein Schaffen auch nicht ganz aus.

Ich erlebe leider oft im Clubleben oder in anderen Communities, dass die Technik im Vordergrund steht, aber kein Fortschritt in der Bildgestaltung zu erkennen ist. Dies ist ein Punkt, wo ich ansetzen werde, einmal in dem Fotoclub, den ich leite und natürlich bei mir selbst.

In dem Workshop habe ich gespürt, was es sein könnte, was aus einem Bild etwas Besonderes macht. Es muss von mir kommen. Etwas das mich berührt und bewegt.“

Mehr von Dietmars Bildern gibt es hier zu sehen, das nächste Intensivseminar bei „WennHeldenReisen“ ist die Sommerakademie 2019 auf Sylt.

Porträt einer bemerkenswerten Ausstellung…

 … aus der Blickrichtung von Birgitt Matkowitzeiner Besucherin.
Vielen Dank, dass wir diesen Text hier veröffentlichen können!

Der helle Dielenboden knarrte betreten und eine Woge des Willkommenseins im stillen Dialog über das Leben umfing mich. Durch das betagte Sprossenfenster an der Stirnseite lugte gefiltertes Wintersonnenlicht und schmeichelte der Atmosphäre dieses ehrwürdigen Schlossraumes aus dem 16. Jahrhundert. Ich hatte Glück, die Mehrzahl der Starnberger spazierte heute am See, nicht in eine Ausstellung; so stand ich für einen Moment allein inmitten ausdrucksstarker Schwarz-Weiß-Porträts und ließ mich überrumpeln von ihrer Schönheit.

Was bewirkte, dass sie mich derart in ihren Bann zogen?

Unter jedem Foto befand sich ein kleiner Text auf weißem Hintergrund mit einer Äußerung der porträtierten Person, die als Überschrift für ihr Leben und Wirken gelten konnte. Ein Kernsatz der Lebensspur, die bereits hinterlassen wurde. Ich untersuchte die Übereinstimmung dieser Worte mit dem abgebildeten Gesicht und der zugehörigen Gestik und guckte mich damit in ein Zwiegespräch mit einem Menschen, den ich gerade kennenlernte. Fantastisch, wie es funktionierte.

Doch das allein war nicht der Schlüssel zur Magie, der ich erlag. Ich begab mich neugierig in den anschließenden großen Saal.

́Künstler der Tafelrunde ́ – schoss mir in den Sinn, mir, die ich als Kind an der Seite von König Artus gekämpft hatte, und durch alte Schlösser gestreift war, als sei ich deren Besitzerin. Die abgebildeten Personen waren nicht alle Künstler, nein, aber das galt es jetzt nicht so genau zu nehmen. Worum es ging, war der Dialog, der im Raum flirrte. Früher saßen hier Menschen um einen Tisch herum, jetzt kommunizierte das reale Leben still von der Wand herunter. Doch auch das traf noch nicht den Punkt. Ich platzierte mich in die Raummitte (dahin, wo früher die Tafel stand), und plötzlich wusste ich es:

Die Augen! Ich konnte in ihren Augen lesen!

41 Personen mit 41 Wesenszügen. Sonnige, nachdenkliche, fröhliche Purzelbäume schlagende, von zielgerichtetem Willen geleitete, sich selbstsicher behauptende, hinterfragende, und zahlreiche weitere aus übergeordneten Zuschreibungen in variantenreichen Details aus Augen ablesbar. Augen, die fast durchgehend strahlten. Emotionen, festgehaltenen Bewegungen, die nie eingefroren wirkten sondern die Zukunft würden überdauern können.

Dem Fotografenduo Carmen Kubitz und Jürgen Wassmuth ist es gelungen, die Seele der jeweiligen Person zu erreichen. Innere Schönheit wird sichtbar und erlebbar. Hier ist neben Können auch Kunst im Spiel.
Schufen sie mit ihrer Arbeit eine Form von Unvergänglichkeit, die selbst im hohen Alter, wenn der Blick vielleicht erlöschen wollte, immer noch erkennbar sein würden?

Wie ich erfuhr, entstanden alle Porträts während eines sehr persönlichen Dialoges zwischen drei Menschen. Zwei Fotografen im Gespräch mit der porträtierten Person in den Spuren ihres Lebens. Emotionen, die Bewegung auslösen. Lebensspuren, Emotionen, Bewegung, sichtbar für uns, die Betrachter. Eine sehr persönliche Angelegenheit festgehalten für die Ewigkeit.

Das Licht im Raum hatte sich zwischenzeitlich gewandelt, wirkte jetzt gedimmt, ähnlich meiner Speicherkapazität für intensive Eindrücke. Langsam lief ich in umgewandter Reihenfolge noch einmal an den Gesichtern der Menschen vorbei, die bereit gewesen waren, ihre Lebensspuren der Zeitschreibung zur Verfügung zu stellen, zurück zu meinem Ausgangspunkt. Dorthin, wo auch mein Lieblingsporträt hing, das einer Frau, einer Künstlerin, mit der Aussage: „…weil ich mit der Hand mein Herz ausdrücken und mich verschenken kann.“

Wo bleiben meine Kritikpunkte? So viel Lobhudelei ist ja peinlich. Ich geh dann mal. Nach über zwei Stunden…

„Zu zweit auf einem Surfbrett durch die Wellen reiten? Das funktioniert nicht!“ „Doch“, nickte ich. „Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.
Birgitt Matkowitz

Das Buch „Lebensspuren“ ist im Allitera Verlag erschienen und kostet 29.-€.

Und hier noch ein paar Impressionen zur Ausstellung in Schloß Kempfenhausen am Starnberger See, 26.1. bis 24.2.2019.

Elisabeth Carr eröffnet die Vernissage

Fotografen und Fotografierte

Jürgen Wassmuth und Anatol Regnier

Buch und Ausstellung werden der Öffentlichkeit übergeben

Corimage, Lebensspuren, Ausstellung, Porträt

 

 

Über einen Freund…

Beim Durchforsten meiner Fotos bin ich auf eine Geschichte in wenigen  Bildern gestoßen, die mir aber so am Herzen liegt, dass ich den blog nutzen möchte, um sie mal eben loszuwerden … einfach so…

Es geht um Yonas. Ich kenne ihn seit über vier Jahren. Er ist einer von den  vielen Menschen in unserem Ort, die unseren Umgang mit Fremdheit und Offenheit neu belebt haben. Die unser Verhältnis zu Frieden und Wohlstand ein bißchen gerade geklopft haben und uns als Bürger und Mitmenschen gefordert haben. Seit Ende 2014, als sie plötzlich da waren. Und blieben.
Yonas erhielt seinen Aufenthaltsstatus, absolvierte die geforderten Deutschkurse und fand einen Arbeitsplatz bei einem Gartenbauer, wo er sehr geschätzt wird, weil er stark ist, offen und freundlich. Er lebt bis heute in einer Gemeinschaftsunterkunft mit anderen Männern aus Eritrea, Syrien, Afghanistan.
Als Yonas aus seiner Heimat weglief, ließ er seine Frau Johanna zurück. Sie waren kurz zuvor verheiratet worden.  Johanna wollte nicht alleine in der Familie ihres Mannes bleiben, zwei Jahre nach Yonas verließ sie Eritrea ebenfalls heimlich. Sie ging nach Addis Abeba und blieb dort, um eine Vorladung in der deutschen Botschaft und damit den erlaubten Weg über den gesetzlich geregelten Familiennachzug nach Deutschland abzuwarten. Nach über einem Jahr war sie des Wartens alleine illegal in der Fremde überdrüssig und machte sich auf den Weg zu ihrem Mann. Ohne die benötigte Registrierung als seine Ehefrau.

Yonas schickte viel erarbeitetes und erliehenes Geld an Bekannte und Schlepper auf Johannas Weg. Johanna verschwand im Sudan und tauchte wieder auf, Johanna verschwand in Libyen und meldete sich Wochen später aus einem Versteck, harrte ein halbes Jahr aus, bis sie auf ein Boot kam. Sie erreichte Sizilien.
Nahe Catania saß sie sieben Monate in einem Flüchtlingslager fest, ohne Aus- und Einreiseerlaubnis nach Deutschland. In einem Zimmer mit einer Türe ohne Schloss. Yonas schickte Geld für Kleidung, Handy und Medikamente, flog hin, kam zurück, arbeitete, schickte Geld. Nach Monaten des Wartens, der Behördengänge bei Landratsamt, Asylberatung und Rotem Kreuz, nach Kontakt mit dem UNHCR, dem BAMF kam eines Tages eine kurze Nachricht aus Italien:
Tag, Uhrzeit, Ankunft am Flughafen München, Flug EW 1901 aus Catania
Einfach so.

Ein deutscher Flughafen ist nicht dafür gemacht, Menschen ohne Sprachkenntnisse ihren Koffer und den Weg nach außen finden zu lassen und die Menschen hinter den Türen sind anscheinend auch nicht gemacht, einer suchenden Frau ohne Sprachkenntnisse dabei zu helfen, aber auch diese Hürde hat Johanna schließlich genommen.

Und dann dann war sie da. Einfach so.

Mittlerweile ist Johanna ein halbes Jahr hier. Sie hat Yonas Papierchaos sortiert, kocht hervorragenden eritreischen Kaffee und hat das Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft ein bißchen hübscher gemacht. Ansonsten wartet sie, auf ihre Papiere und damit auf die Erlaubnis zu Deutschkurs und Arbeit. Bis dahin ist sie tagsüber meist alleine, denn Yonas arbeitet viel. Geld zurückzahlen und sparen auf eine Wohnung. Falls es je eine geben sollte. Wir leben einer privilegierten Gegend Oberbayerns, da sind günstige Wohnungen und Zimmer rar. Vor allem für Flüchtlinge.

Ausstellungstipp 2: „Lebensspuren“, Eröffnung am 26. Januar 2019

Selbstverständlich bin ich unglaublich neugierig auf das neue Projekt von Carmen Kubitz und Jürgen Wassmuth. Deshalb ist die Ausstellungseröffnung mit Buchvorstellung am 26. Januar 2019 in Schloss Kempfenhausen bei Starnberg ein Pflichttermin für mich.

Die beiden Fotografen, die als Künstlerduo unter dem Namen CORIMAGE auftreten, haben für ihr Projekt über Jahre bekannte und unbekannte Persönlichkeiten aus dem bayerischen Fünfseenland aufgesucht, einer Umgebung, die seit Jahrhunderten Künstler und Freischaffende anzieht und beherbergt. Aus ihren Begegnungen sind Portraits entstanden, die sie  jetzt, versehen mit Texten von Jürgen Wassmuth und der Journalistin und Autorin Maren Martell, in einem Bildband veröffentlicht haben. 

Foto: CORIMAGE

Zur Vernissage am 26.1.2019 wird es ein illustres Programm mit anwesenden Künstlern, Musik und Lesungen geben, und hier die Presseankündigung des Verlags zu Buch und Event:

Ankündigung: Gesichter und Geschichten von Menschen am See – Das Fest im Schloss

Wann ist ein Porträt im künstlerischen Sinne gelungen? Auf diese Frage gibt „Lebensspuren“ eine eindrückliche Antwort. Nämlich: Wenn die Spuren eines Lebens aus dem Porträt herauszulesen sind. Wenn Gestimmtheit, Persönlichkeit, Atmosphäre und Umfeld der Porträtierten in die Fotografie eingeflossen sind. Wenn anmutig und lebendig ein Charakter aus einem Bild zu seinem Betrachter spricht.

Mit großer Intensität spiegelt der im Allitera Verlag erscheinende Bildband Menschen und ihr Sein über das Medium Fotografie. 41 Porträts geben Einblicke in das Leben von Künstlern und Kreativen aus dem Fünfseenland, darunter Kabarettist Josef Brustmann, Schauspielerin Marianne Sägebrecht, Opern-Diva Juliane Banse, Schauspieler Thomas Darchinger und Filmemacher Walter Steffen.

Am 26. Januar wird der Bildband von Carmen Kubitz, Jürgen Wassmuth und Maren Martell im Schloss Kempfenhausen vorgestellt. Die KunstRäume am See von Elisabeth Carr laden zu einem Bilderfest mit Gesichtern und Geschichten ein. Mit Lyrik, Literatur und Musik werden die Porträtierten präsentieren, was sie auf ihrem Lebensweg geprägt hat.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier.

Ausstellungstipps zum neuen Jahr: 1. The Family of Man

Den ersten Eintrag im neuen Jahr möchte ich einer Ausstellung widmen, die trotz ihres stolzen Alters von 64 Jahren mein persönliches Ausstellungshighlight 2018 war:

The Family of Man auf Schloß Clervaux in Luxemburg.

Jürgen hatte mir wiederholt von diesem weltberühmten „kollektiven Porträt der Menschheit“ erzählt, das der Fotograf Edward Steichen, Kurator des MoMA New York,  Anfang der 50er Jahre vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges, der Entwicklung der Atombombe und der Bedrohung durch den kalten Krieg initiiert und zusammengestellt hatte. „… Die Fotografin Dorothea Lange assistierte ihrem Freund Edward Steichen bei der Rekrutierung von Fotografen…. 1953 starte sie „Einen Aufruf an Fotografen auf der ganzen Welt“:
„Zeige ‚Man to Man‘ auf der ganzen Welt. Hier hoffen wir, durch visuelle Bilder die Träume und Bestrebungen des Menschen, seine Stärke, seine Verzweiflung unter dem Bösen zu enthüllen. Wenn die Fotografie diese Dinge zum Leben erweckt, wird diese Ausstellung in einem Geist leidenschaftlichen und ergebenen Glaubens an den Menschen geschaffen. Nichts weniger werden wir erreichen… „(Auszug aus Wikipedia „The Family of Man“)

Text: Carl Sandberg

Nachdem ich vorbei an Carl Sandbergs so schönem wie pathetischem Eingangstext durch den Mauerbogen eingetreten bin, werde ich sofort hineingezogen in die Thematik des ersten Raumes: Eine wandfüllende Fotografie einer Meerlandschaft, davor eine Büste einer schwangeren Frau, gleich einer prähistorischen Statue.

An den anderen Wänden weitere Bilder von Schwangerschaft und Geburt, einer Hochzeitsgesellschaft, festgehalten in ausschließlich schwarzweißen Portraits und Szenen von Menschen aus Europa, Amerika, Afrika, Asien. Es folgen, Raum für Raum,  die Themen Kindheit und Familie, Alter, Tod. Mensch im sozialen Umfeld, Mensch und Technik, Mensch und Glaube, Mensch im Elend, im Krieg, im Glück. Vereinzelt stehen Zitate von Philosophen, Schriftstellern, Politikern unter den Fotografien, die man am liebsten mitschreiben möchte, um sie nicht wieder zu vergessen. Manche Bilder eröffnen beim Betrachten eine Zeitreise zurück in vergangene Epochen und Welten, manche Bilder sind ewig aktuelle Momente des Menschseins. Die Installationen in den Räumen, obwohl weitgehend der Originalausstellung getreu gestellt und gehängt, wirken auf mich beeindruckend  und verdichten die Themenbereiche noch zusätzlich.

Installation Familienportraits

Nach eineinhalb Stunden Schauen bin ich geflasht, beeindruckt von den gezeigten Dokumenten, persönlichen Momenten, Emotionen in den Fotografien. Danke für den tollen Tip!

Fotografien: Paul Himmel, Consuelo Kanaga, Tana Hoban

Fotografie: Robert Capa

Fotografie: Jerry Cooke, Text: Lui Chi

Zur Geschichte der Ausstellung:

„Ausstellungstipps zum neuen Jahr: 1. The Family of Man“ weiterlesen