Woche der Präsentation III: Im Moor

Wir fahren fotografieren.
Wie in jeder Heldenwoche, haben unsere kundigen Scouts bereits einen besonderen Ort dafür ausgekundschaftet, ein weit ausgedehntes Hochmoor. Als wäre es abgesprochen, zieht sich die strahlende Herbstsonne kurz vor dem Ziel  zurück und empfiehlt sich einer Wattelandschaft, eingehüllt in ein  milchigweiches, Farben und Geräusche reduzierendes  Nebelgewand.  Frösteln weicht Begeisterung, schmerzende Zehen stapfen unbeirrt auf schmalen Pfaden…

Nach einer kleinen Aufwärmrunde folgen wir, noch immer nicht gesättigt, dem Doktor mit der Notfalltasche für wenig Licht  hinab in die Windungen eines Bachbettes. Trotzen den Widrigkeiten der einbrechenden Nacht, um noch ein Bild und noch eines und noch….

 

 

 

Woche der Präsentation II: Aus dem Schatzkästlein

Ehrlicherweise fristen die Resultate meines Fotografendaseins oft ein recht graues Dasein. Liegen mit ihren Artgenossen auf einer Festplatte herum, um selten genug betrachtet zu werden. Vielleicht schaffen sie es als Bildschirmschoner auf den Rechner und wenn sie Glück haben, auf eine Webseite.

Ich glaube, es liegt manchmal an der zu großen Fülle von Bildern, die mich  erschlägt und den Blick auf das Einzelne trübt.  Und dann die Frage, wie könnte ich meinem Bild am ehesten gerecht werden? Wird das Bild auf dem Weg vom Rechner in die Sichtbarkeit seine Schönheit behalten oder weiter entfalten können?

Wir sprechen also in dieser Woche über Präsentationsformen. Über Wettbewerbe und Portfoliomöglichkeiten, über Ausstellungen und die Konzepte dazu. Und profitieren von den unterschiedlichen fotografischen Lebenswegen und Erfahrungen unserer drei Dozenten. Doch bevor wir ins Thema tiefer einsteigen, gibt es mal wieder einen kleinen Helden-Simsalabim-Moment:

Die Coaches huschen herum, räumen Tische frei, schleppen (zumindest einer) große Koffer heran, um uns dann Einblick in ihre Schatzkästlein zu gewähren…..

Unser hutzeliger Arbeitsraum wird zum Ausstellungsraum, zum Seh-Erlebnis, zu einer Vorführung von Achtsamkeit, Fantasie und Respekt für das Werk:

 

 

Wieder mit den Helden unterwegs: Die Woche der Präsentation

Zum letzten Mal während unserer Ausbildung machen wir uns auf den Weg, reisen nach Belgien, in ein klitzekleines Blockhaus am Rande eines ebenso kleinen Ortes zwischen Kühen und Hochmooren.

Wieder einmal habe ich nur eine wage Vorstellung, was uns erwarten wird. Vor knapp zwei Jahren begannen wir mit der Wahrnehmung, es folgten Abstraktion und Ausdruck.  Und nun also: „Präsentation“.

Tatsächlich eröffnen die Präsentationen der Semesterarbeiten aller Teilnehmer eine jede Impulswoche. Es ist immer wieder ein unglaublich aufregender und emotionaler Moment, zu sehen, was ein halbes Jahr Entwicklung bei meinen Kollegen und mir bewirkt hat.

Ich selbst bin auch im letzten Monat meiner Semesteraufgabe zu keinem präsentierbaren Ergebnis gekommen. Den Ansatz zu Beginn der Arbeit konnte ich nicht weiterverfolgen. In meinem Leben als Fotografin und auch privat hatte sich so viel verändert. Ich habe viel fotografiert, ich habe gar nicht mehr fotografiert, bis zum Schluss verworfen, akzeptiert, neu aufgestellt.

(Auf meinen Blog-Beitrag zum „Kreativen Loch“ hatte ich einige Zuschriften erhalten. Auch den Lesern bescherte die intensive  Auseinandersetzung mit ihrer Fotografie einen ähnlichen Stillstand, eine zwischenzeitliche Frustration.  Gleichwohl schrieben sie, dass es sie dazu bewegte, neue Ansätze zuzulassen, mit sich kritischer und ehrlicher zu werden. Danke liebe Leser für eure aufmunternden Worte. Ich freue mich über weitere Kommentare, gerne auch direkt in diesen Blog)

Zu Beginn dieser letzten Impulswoche befinde ich mich fotografisch in einem Zustand der Verpuppung, der Metamorphose. Ich bin damit, glaube ich, auf einem guten und kreativen Weg, der für mich aber momentan nicht visualisierbar ist. Also präsentiere ich das, was es ist… :

Woche der Präsentation, wennheldenreisen, Leeres Bild

Punktlandung. Mit meinem leeren Bild katapultiere ich mich mitten in die Thematik dieser Arbeitswoche hinein. Und schon weiß ich glücklich mit rauchendem Kopf wieder einmal, warum ich hier gelandet bin.

Eine ganze Woche Heldenarbeit wartet nun auf uns…..

Kurzes Schauspiel zur Dämmerung

Wenn die letzten Sonnenstrahlen verglühen und die Dämmerung auf die Bucht niedersinkt, verschwindet schlagartig der Glanz des Spätnachmittaglichts.

Das Meer verblasst konturenlos, als wolle es sich dem schnell dunkelnden Horizont unterordnen. Nur die schäumenden Kämme der sich aufrollenden Wellen schimmern milchig, bevor sie sich im Wasser auflösen, von Neuem emporwachsen und wieder vergehen.

Dann kommen die Flughunde. Erst vereinzelt, dann zu immer mehreren, verlassen die Vorboten der nahenden Nacht ihre Bäume und ziehen lautlos flügelschlagend in immer neuen Kurven über die Bucht .

Und während unten der Ozean seine Wellen unermüdlich donnernd in den Sand schlägt, nimmt oben die Dunkelheit zu, die Silhouetten der Palmen lösen sich langsam im Nachthimmel auf, und die Flughunde entschwinden in der Finsternis.

Plötzlich durchbricht der Mond die Dunkelheit, zaubert Irrlichter auf das Wasser, so dass alles in neue Bewegung gerät, die Gischt greift sich den Schein, taucht ihn unter, gibt ihn an anderer Stelle frei, lässt ihn glitzernd umherhüpfen, bis eine Wolke das Schauspiel endgültig beendet und ein letzter Hauch Mondlicht über dem Wasser vergeht. 

Manchmal hilft es eben doch dem Auge und der Entdeckerfreude, wenn man einen Tapetenwechsel vornimmt. In diesem Fall Sri Lanka. Und ich kann sagen, ich habe zuvor noch nie so lange das Meer betrachtet:

Sri Lanka, Abendhimmel, Abendmeer, wennheldenreisen

Endspurt: Mit dem Fotowettbewerb „Blende 2018“ auf Heldenreise

Neulich hatte ich euch einen Teilnehmer der Sommerakademie 2018  vorgestellt, der uns von seinen Erlebnissen und Inputs während des einwöchigen Workshops auf Sylt berichtet hat. Seine Teilnahme dazu hatte er beim Fotowettbewerb Blende gewonnen.

Auch bei der diesjährigen „Blende 2018“ haben Teilnehmer die Chance auf einen freien Platz bei der  „WennHeldenReisen“-Sommerakademie 2019 vom 16.06.-22.06.2019 auf Sylt. Viel Zeit für das ultimative Gewinnerphoto bleibt allerdings nicht mehr- der Wettbewerb geht in die Endrunde .

„Blende“ wird jedes Jahr von  deutschen Tageszeitungen gemeinsam mit der Prophoto GmbH ausgeschrieben und richtet sich an Amateurfotograf/innen jeden Alters. Es gibt verschiedene Kategorien  und außer der Heldenreise noch ein paar recht attraktive Preise zu gewinnen :)).

Eine Teilnahme ist in der Regel nur über mitmachende Tageszeitungen möglich, wer aber außerhalb einer solchen Region wohnt, kann für den Endspurt auch direkt eine Anfrage an Prophoto stellen und sich dann über einen zugesandten link zur Teilnahme anmelden.

Ein paar Wochen sind noch Zeit, um sich nach „Lost places“, „Ecken und Kanten“ in der Architektur und anderen Wettbewerbsthemen umzusehen.

Genaueres zu Teilnahmebedingungen und Preisen findet ihr z.B. bei prophoto.

Viel Erfolg!

Vom Kreativen Loch

Seit vielen Wochen beschäftigt mich ein Problem. Um einen Einstieg zu finden, darüber zu schreiben, habe ich es mal gegoogelt. Herausgekommen ist so viel zu diesem Thema, dass ich schon fast beleidigt war, dass mein Problem nicht nur mir gehört, ja im Gegenteil quasi ein Allerweltsthema zu sein scheint: DAS KREATIVLOCH!

Es befällt anscheinend zuverlässig fotografierende Menschen, die wiederum im Netz alle möglichen Gegenmaßnahmen veröffentlichen, die helfen sollen, aus dieser stagnierenden Phase wieder herauszukommen. Da rät man:

 – sich auf bestimmte thematische Bereiche des Fotografierens zu spezialisieren 
– an Wettbewerben teilzunehmen
– die Technik zu ändern, analog zu fotografieren.
– jeden Tag ein Photo zu machen.  

Dazu schreibt ein Fotoblogger: „… Andererseits gibt mir der Zwang zum täglichen Fotografieren auch die Energie meinen Hintern hoch zu bekommen und wenigstens ein Foto zu machen. Meine Ansprüche sind derzeit auch nicht sehr hoch – ich bin froh überhaupt ein Bild zu machen und es hoch zu laden…“

Ich habe keine Gegenmaßnahmen ergriffen und keine Bilder gemacht, obwohl meine Semesteraufgabe auf mich wartete und Monat um Monat verstrich.

Im Gegenteil sitze ich meine Blockade aus. Horche in diese Hemmung, diese innere Weigerung hinein, versuche, zu verstehen, was los ist. Gebe mir die Freiheit, nichts zu wollen und zu warten, was passiert.

Natürlich ist dieser Zustand ziemlich ungünstig, wenn man einen Blog über seine Weiterbildung schreibt. 

Aber einiges hat mich mein „Problem“ schon jetzt gelehrt: Was ich nicht fotografieren will oder kann, welche Bilder mich langweilen und unberührt lassen, welche vor allem nichts mit mir zu tun haben, vielleicht nie hatten. Und was dann bleibt. Und gesehen werden will. Manchmal, plötzlich, unvermittelt.

Wenn ich meine Kamera sehr selten doch in die Hand genommen habe, sind Ergebnisse herausgekommen, die in den wenigsten Fällen schön oder gar herzeigbar wären, die mich irritieren, manchmal erschrecken. Dafür zeigen mir die Bilder in ihrer Seltsamkeit meine Irritation, meine Wut, meinen Frust, aber auch Kraft und Neugier, und sprechen darin eine eigene Sprache. Meine Sprache? 

Wenn das ein Weg ist, dann haben sich die vergangenen Wochen gelohnt, auch wenn ich bedauere, dass soviel Zeit für die Umsetzung meiner Semester-Aufgabe und für meine Coachingtermine ungenutzt blieb, dass fast ein halbes Jahr Heldenreise recht einsam vergangen ist.

Und vielleicht werde ich sogar ein bißchen wehmütig sein, wenn mich die Starre irgendwann leise verlässt und mich aus dem fotografischen Krankenstand entlässt.

Jetzt habe ich noch einen Monat bis zur nächsten Themenwoche…

Sommerakademie 2018 auf Sylt – Teilnehmerfeedback

Jürgen war Teilnehmer des einwöchigen Seminars, für uns berichtet er von seinen Erfahrungen. Herzlichen Dank Jürgen für deine Einblicke und das Interview, das ich hier – in Auszügen -wiedergeben darf!

Jürgen kam durch einen Zufall zu WennHeldenReisen. Ein Freund hatte beim Fotowettbewerb „Blende 2017“ die Teilnahme an der Sommerakademie gewonnen und seinen Preis Jürgen übertragen. Für den war dies nicht nur sein erster Kontakt mit „WennHeldenReisen“, sondern sein erster Fotoworkshop überhaupt.

Jürgen: Ich hab natürlich gegoogelt und geguckt, wer ist denn das, was machen die, und festgestellt, uiuiui das ist ja eine ganz andere Sache als du bisher gemacht hast. 

Ich habe hier in der Gegend so einen gewissen Ruf für schöne Motive, aus unserer Gegend, von unserer Stadt. Aber in der Richtung hatte ich noch gar nichts gemacht. Ich dachte, das ist ja mal ganz was Neues. Zumal ich gerade in einem kreativen Loch hing, die Fotografie die letzten ein, zwei Jahre ein bißchen gelitten hatte. Irgendwas fehlte, eine gewisse Motivmüdigkeit war aufgetreten.
Ich komme von der gegenständlichen Landschaftsfotografie, habe mich viel mit HDR beschäftigt, mit extremen Kontrasten also oder damit, nachts extreme Beleuchtungssituationen schön einzufangen. Was die Helden machen, ist ja nun doch ganz was anderes, damit hatte ich mich noch nie beschäftigt… Abstrakt-Fotografie und andere Techniken….. Ich habe versucht mich zu öffnen, ob ich da reinkomme.

Bist du reingekommen? 

Jürgen: Ja und nein. Es hat lange gedauert, Martin musste sich schon anstrengen mit mir, und ich habe schon eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was er von mir will. Aber irgendwann hat´s dann einigermaßen klack gemacht und das war dann schon sehr spannend.

Das Ziel war ja ein bißchen weg von der Fotografie, die anderen gefällt und für die man dann Lob bekommt, hin zu dem, was einen selber bewegt und was Fotografie als Ausdrucksmittel von mir selber sein kann, was mich bewegt; Emotionen auszudrücken, Stimmungen, aber nicht vor dem Hintergrund, das könnte jemandem anderen gefallen, sondern „was hat das mit mir zu tun“.

Jürgen ist für den Workshop zum ersten Mal auf Sylt gewesen, an der Nordsee.. 

Bei diesem Angebot an unglaublichen Motiven, Sonnenuntergängen, wie erging es dir dann mit deiner selbstgestellten Aufgabe?

Jürgen: „… da war es schon schwierig, nicht den postkartentypischen Motiven zu erliegen. Martin hat mich ganz schön gefordert, auch mit dieser gar nicht gegenständlichen speziellen Aufnahmetechnik „RAW Isohelie“. Ich hab mir ein Fahrrad geliehen und bin dann in den Wald gefahren und habe da vor mich hinprobiert..
Da bist du hier auf dieser Insel, hast so ein Panorama, ein Megamotiv nach dem anderen. Jetzt hockst du hier im Wald und fotografierst morsche Bäume… und das auch noch in einer sehr ungewöhnlichen Art und Weise.., das ist mir schon schwer gefallen. Das geht nicht von einer Stunde auf die andere und ich bin  jetzt noch schwer am Anfang.

Aber von der Herangehensweise, wie sie mir der Martin eröffnet hat, möchte ich da weitermachen, auch mit der Abstraktion. Das ist ein neues spannendes Feld, das ich mir so peu à peu erarbeiten möchte und verstehen möchte, was da passiert…

Wie hast du das Kursgeschehen und die Herangehensweise der Dozenten empfunden?

Jürgen: Ausgesprochen angenehm, gerade auch Carmen hat es geschafft, eine stressfreie angenehme Stimmung zu erzeugen, da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke! Ich kam aus Stress und Hektik, war krank. Sie hat da so eine Ruhe und Konzentration aufs Wesentliche reingebracht. Die ganze Atmosphäre, das war sehr wohltuend, auch schön, dass es so eine kleine Gruppe war. Ich habe mich sofort wohl gefühlt.

Sie sind sehr auf die Leute eingegangen, haben die Leute da abgeholt, wo sie momentan stehen..

Ich fand es auch toll von der Herangehensweise, dass man nicht erstmal gegenseitig geguckt hat, was hat denn der andere alles so gemacht, auf welchem fotografischen Level ist der andere. Die Dozenten haben das bewusst herausgehalten.

Extrem angenehme Atmosphäre und ein gewisser Zauber ist hängengeblieben. Ein bißchen wirkt dieser kleine Zauber noch nach, und den versuche ich zu hegen und zu pflegen, dass er wachsen kann..

Hat sich in deiner Herangehensweise zu fotografieren, seither etwas geändert?

Jürgen: Ich mache weniger Bilder. .. Wenn es eine Wiederholung dessen ist, was man schon 100 mal gemacht hat… Durch das Digitale hat man irgendwo keine Hemnis mehr. Und wenns dann nur eine kleine Abweichung dessen ist, dann sag ich mir, lass es …das muss ich dann nicht mehr machen.

Und die perfekte Belichtung, die perfekte Schärfe bis in die letzte Ecke, das ist mir auch nicht mehr so wichtig. Ich komme von der Technik, habe sehr viel mit Technik zu tun, habe mich lange Jahre mit Kameratechnik und fotografischer Technik beschäftigt, und da bin ich gerade dabei, mich ein bißchen loszusagen.

Ich sehe das alles als Erweiterung der Werkzeuge und der Sichtweisen. …und als Bereicherung dessen, was ich bis jetzt gemacht habe. Man muss halt bereit sein, sich auf was einzulassen. Wenns jetzt heißen würde, es ist nächste Woche noch mal, würde ich sofort wieder mit losziehen.

Welches deiner Bilder der Woche magst du besonders gerne?

Jürgen: Dieses Meerbild. Es ist quasi der Weg vom Bisherigen zum Neuen…. Es ist gegenständlich und dennoch Verfremdung…

Sylt, Foto: Jürgen Hirschmann

 

 

Sommerakademie am Meer

Irgendwie kommen die Helden nicht mehr los vom Norden…

Foto: Carmen Kubitz

Nachdem sie gerade erst auf dem Fotofestival „Horizonte“ in Zingst ihren Charme spielen ließen und dort so manchem zum Durchblick verhalfen, haben sie sich für die diesjährige Sommerakademie von „WennHeldenReisen“ die Nordsee ausgeguckt, genauer: Sylt.

Sylt kann laut, wichtig, wuselig und vor allem im Juli sehr überlaufen sein. In der Hochsaison würde ich nicht wirklich auf die Idee kommen, dorthin zu fahren, um Ruhe zu finden.

Carmen, Jürgen und Martin, die drei Veranstalter des einwöchigen Seminars, wussten es besser: Unmittelbar am Weststrand, am Rande des Landschaftsschutzgebietes gibt es dort eine wahrhaft einzigartigartige Location, die nicht nur aus dem typischen Sylt-Tourismus-Bild fällt, sondern auch ein bisschen aus der Zeit.

Klappholttal, ein weitläufiger Platz direkt hinter den Dünen.
Der Strand so leer, dass man es kaum glauben mag, der Blick so frei, „dass man oben auf der Brücke stehend am liebsten abheben möchte in die unendliche Leichtigkeit des Seins…“ (Carmen).
Ein Ort, wo das lange Abendlicht des Nordens die heißen Sommertage überm Meer ausschwingen lässt.

Ein Ort, der mit seinem spartanischem Charme den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Raum gab zur Entfaltung und zur konzentrierten Arbeit an ihren  persönlichen Fotothemen. 

Ganz und gar unterschiedliche Ansätze in den Vorstellungen, dem fotografischen Hintergrund, den Erwartungen trafen aufeinander.  Tage des Einlassens und Eintauchens ins fotografische Ich folgten und mündeten in einem Abschlussabend mit kleinen Offenbarungen aus vielen oder wenigen Bildern.

Dass diese vielleicht für manchen unerwartete Herangehensweise an die Fotografie  auch innerhalb einer zufällig zusammengekommenen Gruppe so gut funktionierte, hat die Dozenten so nachhaltig beeindruckt, dass sie das am vorletzten Abend am hauseigenen Strand ganz einfach feiern mussten…

Wein trinken auf Sylt, wennheldenreisen, Sommerakademie
Fotos: Martin Timm

Über Verständigung und digitale Freuden

Wie bei keinem anderen Themenschwerpunkt drehte sich in der Impulswoche des Ausdrucks alles um Kommunikation.
Die Kommunikation mit meinem fotografischen Gegenüber, sei es der Baum, der See zu meinen Füßen oder die Person vor mir.
Die Verständigung unter uns Teilnehmern in dieser dichten Arbeitsatmosphäre mit Bildern, die nicht nur viel mit uns zu tun hatten, sondern immer wieder uns selbst zum Inhalt.
Die offene Auseinandersetzung mit uns selbst, gipfelnd in einem Selbstportrait.

Wie gut, eine Woche lang Zeit zu haben, sich aufs wacklige fotografische Eis begeben zu können, in vertrauter Atmosphäre, geführt und angespornt von Carmen, Jürgen und Martin.
Nuancen zu erspüren, die Sprache des Anderen zu erkennen, Ausdruckskraft zu entwickeln. Entwicklungen beobachten zu können. Zutrauen zu bekommen, um als Studienobjekt für die anderen zu fungieren ebenso wie das Wohlwollen, selbst austesten zu können.

Tolle Portraits sind dabei entstanden, ob in theatralischem Blitzlicht, im vorteilhaften weichen Nachmittagslicht, draußen in Aktion…. Nicht unbedingt immer schön nach objektiven Kriterien und schon gar nicht geschönt, aber wunderbar persönlich, voller Zuwendung und Aufmerksamkeit. 

Eine ganz besondere Form der Verständigung bescherte uns allerdings ein Unglücksfall.

Eine Schraube, tief im Fußknöchel versenkt und von allerlei Nägelchen und weiteren fixierenden Begleiterscheinungen umgeben, machte der Teilnahme von Michael den Garaus, zumindest den körperlichen. Doch Helden überwinden solche Kleinigkeiten und so huschte allmorgendlich schwerelos der an den Stuhl gefesselte durch den Äther zu uns. Per Skype erschien er frohgemut und hochkonzentriert trotz zweidimensionalen Auftretens in unserer Runde und horchte, dikskutierte und produzierte mit uns ein Bild ums andere!

Wie schön, dass du bei uns warst Michael, ohne dich wäre unsere Runde unvollständig und um einige Lachtränen ärmer geblieben

„Mir ist so warm, bin ich schon wieder im Beamer?“

Über die Ausdruckskraft

Lange habe ich nicht recht gewusst, wie ich diese die dritte Impulswoche wiedergeben kann, in deren Mittelpunkt das Portrait in all seinen Varianten stand:  Eine sehr intensive Lern- und Übungswoche, die vor allem viel Auseinandersetzung mit unserer eigenen Haltung und Sichtweise fordert, mit unserer Bereitschaft und Möglichkeit, uns auf unser Gegenüber einzulassen.

Was unterscheidet ein Porträt vom Nichtportrait? Was zeigt ein Porträt, das über das äußere Aussehen hinausgeht?

Wo ist mein spezieller Anknüpfungspunkt zu, wie die Kommunikation mit meinem Gegenüber, und wie schärfe ich Blick und Gespür,  um widerzuspiegeln, wie ich mein Gegenüber sehe?

Unsere erste Aufgabe: Erstellt ein Baumportrait!

Der Vorteil: Es ist eine mehr einseitige Annäherung: Sie gibt uns alle Zeit der Welt, Kontakt aufzunehmen, den passenden Blickwinkel zu finden, der Baum zeigt sich uns geduldig, verstellt sich nicht, wir dürfen ihn interpretieren, wie wir höchstselbst empfinden.

Jürgen und Carmen haben einen passenden Ort für uns gefunden: Eine große Wiese, eingerahmt von mächtigen Eichen und Buchen. Zielstrebig marschieren meine Mitstreiter auf einige besonders imposante Exemplare zu und beginnen, sie intensiv zu erkunden.

Fotos: Jürgen WassmuthIch bin noch etwas unschlüssig und dann entdecke ich sie: eine Birke, groß und schlank gewachsen wie es ihrer Art entspricht, und völlig alleinstehend im Mittelpunkt der großen freien Wiese. Ich lasse mich auf sie ein: Sie steht da, selbstbewusst und ein wenig kapriziös, eine Artistin in der Manege im Rampenlicht der strahlenden Märzsonne, in gebührendem Abstand umringt von ihren dunklen knorrigen Zuschauern.

Carmen gibt sich noch nicht zufrieden mit meiner Annäherung: Wie beschaffen ist dieser Baum, die Rinde, was macht sie in meinen Augen einzigartig, wie ist ihre Bewegungsrichtung, wohin strebt sie? 

Fotos: Jürgen Wassmuth

Die weiße Haut lässt die Birke noch mehr leuchten, hebt sie ab von allen anderen Bäumen, ausdrucksstark die Kontraste der Schatten in ihrer Rinde. Ihre feinen Äste bewegen sich leicht in der Frühlingsluft. Eine Tänzerin!

Ich habe meinen Blick gefunden. Freue mich, weil ich glaube, ihr gerecht geworden zu sein und beginne zu fotografieren.

10 Bilder sollten wir aussuchen, um „unseren“ Baum zu portraitieren, 8 Fotos gefielen mir letztendlich und diese drei davon spiegeln bei der anschließenden Bildbesprechung den Ausdruck „meiner“ Birke in den Augen unserer genauen Dozenten wider.

Baumportrait Birke, Woche des Ausdrucks, Wennheldenreisen, Woche des Ausdrucks