16jährige „Blende-Gewinnerin“ mit der Sommerakademie auf Sylt

„Triptychon“ Foto: Charlotte Obertreis
„The best teachers are those who show you where to look, but don’t tell you what to see.“
Alexandra K. Trenfor

„Wenn ich an diese Woche auf Sylt zurück denke, wird mir ganz warm ums Herz und ich beginne zu strahlen. Einfach, da ich all diese Menschen dort ganz fest in mein Herz geschlossen habe und mich die Zeit sehr berührt und geprägt hat.

Die Sommerakademie war für mich eine Reise ins Unbekannte und schlussendlich auch zu mir selbst. 

Ganz besonders fasziniert haben mich die wundervollen Coaches, die mich genau dort abgeholt haben, wo ich stand und mich in dieser Woche in einer ganz tollen Art und Weise unterstützt und begleitet haben.“

Charlotte Obertreis, 16 Jahre

Charlotte hat beim Fotowettbewerb „Blende 2019“, der jährlich bundesweit ausgetragen wird in der  Kategorie, „Farbenspiele“ den ersten Preis gemacht und damit eine Teilnahme an der „Sommerakademie“ von „WennHeldenReisen“ gewonnen.

Es ist erstaunlich, dass Charlotte überhaupt Zeit hatte, mit den Helden zu dem einwöchigen Fotokurs nach Sylt zu fahren.  Schließlich ist sie gut unterwegs als (Tier-) Fotografin, spielt zwei Instrumente, engagiert sich in Bereichen der Psychologie und geht nebenbei zur Schule.

Während sie noch an einem Auftrag arbeitet, bevor sie mit ihren Eltern in den Sommerurlaub aufbricht, hat sie mir von sich und ihren Erlebnissen bei der Sommerakadamie erzählt.

blog: Charlotte, was bewegt dich gerade?

Meine Ausstellung, die ich jetzt mache:

Ich hatte wirklich jedem von Sylt erzählt, weil ich einfach so begeistert war. Und gar nicht anders konnte, als es einfach jedem unter die Nase zur reiben, wie toll das war, weil ich einfach so begeistert war.

Ich durfte dann eine Woche Praktikum in der psycho-onkologischen Abteilung eines Krankenhauses machen und das war eine total bewegende Zeit …. Da habe ich eben auch von Sylt erzählt. Und dann am Ende haben sie mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die nächste Ausstellung in ihrer ambulanten Abteilung zu machen. Und ab Mitte September werden dann da meine Bilder hängen und da bin ich schon sehr gespannt …

blog: Was interessiert dich an der Fotografie?

Zuerst war da der Wunsch nach schönen Bildern. Dann der Umgang mit Menschen. Momente festzuhalten, auch ungestellte Momente, und Charaktere. Erinnerungen zu schaffen. …. Es ist einfach, oberflächliche Bilder zu machen. Aber es ist schön, verborgene Seiten von einem Mensch oder Tier zeigen zu können, die dann auf den Bildern zu sehen sind, ohne dass man darüber sprechen muss. Dinge, die man nicht so nach außen tragen möchte, man aber trotzdem ausstrahlt.

Die Fotografie ist da so ein Weltenöffner, durch den ich so viele tolle Menschen kennenlerne und Verbindungen aufbauen kann, die mir sonst nicht möglich wären. Das sind ganz wertvolle Stunden, die ich da verbringe. Auch die Helden hätte ich ja sonst nicht kennengelernt. Und das wäre nicht schön gewesen.

blog:  Wie war es auf Sylt?

Ich kam zurück und war total erfüllt und das ist immer noch so in mir, weil das einfach so schön war, eine der schönsten Wochen in meinem Leben überhaupt, weil das so tolle Begegnungen und so tolle Gespräche waren.

Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass es auch so tiefgehend ist. Ich hatte mich vorher nicht so mit dem Kurs beschäftigt, weil ich ganz unvoreingenommen hineingehen wollte. Ich kam hin, wusste gar nix und hab mich einfach überraschen lassen. War von Anfang an total gefesselt von den Dreien. (den Dozenten  der Sommerakademie: Carmen Kubitz, Martin Timm und Jürgen Wassmuth, Anm.d.Red.) Ihre Menschenkenntnis ist einfach unheimlich toll. 

Fotografisch war es zuerst schwierig. Ich war ja bisher an allem nah dran, an den Tieren und Menschen… Zu abstrakter Fotografie hatte ich keinen Bezug und sie war mir fremd.

Da war es schon schwierig, den Absprung zu schaffen, von diesen ganzen „dinghaften“ Sachen wegzukommen und dieses Neue zu zulassen und zu entdecken. Ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe und mal ausprobiert habe, wie es ist, nichts Gegenständliches zu fotografieren. War nicht einfach, aber hat sich wirklich gelohnt.

blog: Wie hast du den Einstieg ins Abstrakte geschafft?

Ich habe gemerkt, ich darf nicht so viel nachdenken, und ich muss auch nicht genau wissen, was ich wie fotografiere und warum überhaupt. Viel mehr die Intuition, die mir zeigt, wie wann und wo ich meine Bilder machen kann. …

Anfangs habe ich das Nachdenken schon gebraucht, um alles zu verarbeiten, aber dann, als es soweit war, konnte ich auch den Kopf ausstellen. Irgendwann war ich dann so in meiner Welt, drinnen, Raum und Zeit haben keine Rolle mehr gespielt und die Bilder sind einfach entstanden.

blog: Wir wirken diese neuen Bilder auf dich?

Ich nehme sie ganz anders wahr. Von meinen Landschaftsbildern, die ich normalerweise  mache, weiß ich ganz genau, wo ich bei der Entstehung des Fotos war und welcher Moment das war. 

Die Bilder hier haben für mich viel mehr Aussage,  natürlich auch durch die ganzen Gespräche darüber. Sie lassen viel mehr Freiraum für eigene Gedanken, sie lassen zu, dass man sich ein eigenes Bild macht, tiefer einsteigt…

blog: Wie war das als Jugendliche zwischen lauter Erwachsenen?

Ich fand es toll, auf Grund meines Alters nicht anders behandelt zu werden, denn der Altersunterschied in der Gruppe war schon sehr groß…. dass ich so genommen wurde, wie ich war und nicht auf mein Alter reduziert wurde. Und von den Lebenserfahrungen der anderen profitieren konnte. Der Altersunterschied ist für mich total unwichtig, ich fand es toll, so zum Nachdenken angeregt zu werden. 

Ich kam zurück und meinte, Mama, Papa, ich muss da nochmal hin. Egal wann und wie, ich muss das nochmal mitmachen.

blog: Welches sind deine Lieblingsbilder aus dieser Woche?

Das Nichts, Das Triptychon und das Panorama.

Diese Bilder zeigen am ehesten den Prozess, den ich durchgemacht habe in der Woche, und mit denen ich am meisten verbinde. Das Triptychon zeigt die Hoffnung so, wie ich sie eben im einem Bild darstellen würde, Das Nichts zeigt meinen inneren Prozess, wie ich mir Fragen gestellt habe, die ich mir sonst nie gestellt habe. Einfach wie die Fotografie auf dem Weg zu mir ist. Das Panorama, zeigt mir Vergänglichkeit, Licht und Hoffnung.

Vielen Dank für das schöne Interview, Charlotte, und einen wundervollen Urlaub!

Sylt, Meer, Charlotte Obertreis, Sommerakademie 2019, wennheldenreisen
„Panorama“ Foto: Charlotte Obertreis
„Das Nichts“ Foto:Charlotte Obertreis

Ziel erreicht – Vernissage gelungen

Wir haben es geschafft!

Nach einer sehr aufregenden Vorbereitungsphase war es am Samstag pünktlich um 17.30 soweit: Türe auf zur Eröffnung unserer Absolventenausstellung. Die Bilder hingen alle im rechten Licht am richtigen Fleck, die Sonne schien, die Besucher kamen. Was für ein Gefühl!

Wir hatten uns wirklich etwas vorgenommen. Das von uns auserkorene ehemalige Mühlengebäude bietet zwar ganz großartige Räumlichkeiten, hat aber mächtige Ziegelwände, kein vernünftiges Licht und eine schwierige Stromversorgung. Es befindet sich in einem kleinen Ort in einer Nebenstrasse  und ist noch nicht mal gut von der Strasse zu sehen.

EGAL! Es klappte!  Dank der professionellen Beleuchtungskenntnisse unseres Helden Gerd und seines großen Equipments an Lichtern, dank der kundigen Unterstützung unserer Dozenten Carmen, Jürgen und Martin, die mit Koffern voller Werkzeug, Aufhängungsgerätschaften, Erfahrung und Geduld mit uns drei Tage werkelten, um jeder unserer ganz unterschiedlichen Arbeiten einen schönen  Platz zuzuweisen.

Dank vieler verteilter Flyer und Plakate, dank Pressearbeit und Mundpropaganda, dank der besten Freunde, Eheleute und Helfer, die unseren Ausstellungsort in eine atmosphärische Feier-Location verwandelten, konnten wir nicht nur eine tolle Vernissage feiern, sondern können über zwei Wochen lang immer wieder interessierte Besucher empfangen und durch die verschiedenen Räume führen.

Damit sind wir am Ende unserer Heldenreise angelangt. Haben unsere letzte „Aufgabe“ absolviert, eine öffentliche Ausstellung mit unseren Arbeiten des letzten Semesters. Nun haben wir noch einmal 4 Ausstellungstage vor uns und freuen uns, ab Donnerstag wieder die Türen zu öffnen.

Ausstellung DIALOGE
Klostermühle Windach, Schützenstrasse 20, 86949 Windach
Öffnungszeiten:
Do, 30.05.2019: 12-18 Uhr
Fr,  31.05.2019:   15-21 Uhr
Sa, 01.06.2019:  12-18 Uhr
So, 02.06.2019: 12-18 Uhr

Klostermühle am Ammersee wird Ausstellungsraum für Heldenreise

So, Jetzt wird’s ernst! In 6 Tagen, am kommenden Samstag startet unsere Ausstellung. Wir vier Absolventen sind mega-aufgeregt!

Noch liegen ein paar Tage schrauben, klopfen und Kabel verlegen vor uns, damit wir das tolle alte Mühlengebäude als Ausstellungsraum nutzen können, aber dann wird es glaube ich, richtig spannend. Hier die Einzelheiten zu unserer Ausstellung, wir freuen uns über alle, die vorbeikommen und mit uns feiern mögen!

Und  exklusiv für den blog gibt es die ersten Bilder der ausstellenden Fotografen als Vorgeschmack, eine ausführliche Berichterstattung der Eröffnung folgt….

Michael Kickum: Ich gebe dir Raum
Frank Friedrich: Frieden und Wildsein
Gerd Graef: Reflexionen
Bettina Buschbeck: Was bleibt

Windach am Ammersee: Absolventen von „WennHeldenReisen“stellen aus

Vier Fotografen zwischen Bayern und dem hohen Norden arbeiten gerade auf Hochtouren: Der zweite Jahrgang von WennHeldenreisen (und damit auch die Autorin dieses blogs) bereitet seine Abschlussausstellung im bayrischen Windach vor.

Zur Vernissage am 18. Mai werden die ganz unterschiedlichen Arbeiten zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt, denn wir Fotografen selbst wissen auch nicht, was unsere Kollegen mitbringen werden. Einen Vorgeschmack werde ich aber demnächst auf diesem blog präsentieren!

Ausstellungsort ist die „Alte Klostermühle“ in Windach, westlich von München. Exklusiv für die Ausstellung wird das charakteristische Gemäuer von uns mit Licht und Hängungsmöglichkeiten für die Bilder ausgestattet.

Ende einer Reise?

Damit gehen auch für mich zwei aufregende Jahre Heldenreise zu Ende, über die ich hier im blog berichtet habe, mit allen Highlights, Aha-Momenten, Höhen und Tiefen einer künstlerischen Auseinandersetzung. Ein Schlusspunkt ist damit nicht gesetzt, im Gegenteil! Ich habe so viel mitgenommen….

Momentan feile ich mit Carmen, meiner Dozentin und Coachin noch am Ergebnis der letzten Etappe. Es bleibt spannend für uns beide bis zum letzten Moment!!

Vernissage am 18.05.2019

Zur Ausstellungseröffnung am Samstag um 17.30 sind alle vier Fotografen anwesend und laden die Besucher herzlich ein zu Bildern, Getränken und ein bißchen Party!

Die Dozenten von „WennHeldenReisen“ kommen mit ihrem berühmten „WennHeldenReisen“-Mobil angereist und informieren Interessenten über die Akademie.

Die Ausstellung läuft bis zum 02. Juni 2019 und ist jeweils Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet.

„WennHeldenReisen“ fotografieren an der Himmelpforte

Die „Woche des Ausdrucks“ fand nun schon zum zweiten Mal im Ort mit dem poetischsten aller Namen statt:
In „Himmelpfort“ inmitten der Feldberger Seenplatte im Havelland. Himmlisch gemütlich habe ich die Räumlichkeiten in der „Mühle Himmelpfort“ in Erinnerung mit Platz für Ruhe und Geselligkeit, und himmlisch vielfältig die Möglichkeiten zu fotografieren, mit viel Raum zwischen Himmel und Wasser, um Ausdrucksformen zu suchen und zu finden…

Impressionen einer Aufgabenumsetzung, von den Dozenten für den blog eingefangen: Die charakterstarken Models für diese Arbeit sind schon Tradition bei der Woche des Ausdrucks …

.. und die Teilnehmerinnen des Jahrgangs III hielten sie in diesen Porträts fest – vielen Dank für die wunderbaren Eindrücke!

Baumporträt – Brigit-Ruprecht
Baumporträt – Karin-Hamann-Wehe
Baumporträt – Barbara-Ritzkowski
Baumporträt – Maria Bartl
Baumporträt – Renate Frei

Woche der Wahrnehmung

Ich hatte für die Ostertage ein paar hübsche Osterpräsente im Blog geplant:
Jeden Feiertag einen Beitrag über Neuigkeiten von „WennHeldenreisen“.

Aber der blog hatte wohl auch Ferienpause und die Bilder für die Beiträge ließen sich einfach nicht hochladen. Nun geht es wieder und hier kommt Teil 1 der Helden-News! Ein weiterer Rückblick und eine Ankündigung folgen die nächsten Tage.

Deshalb dranbleiben und reinschauen – es lohnt sich!!!

Bereits zum vierten Mal startete ein Jahrgang der Akademie und traf sich zur ersten Impulswoche, der „Woche der Wahrnehmung“ im Süden des Landes, am Starnberger See, im Kloster Bernried:

Jahrgang IV „WennHeldenReisen“

„Es war toll dort, wir haben mit den Schwestern gescherzt, und es gab jede, jede Menge Schneeglöckchen!
An einem Abend haben wir Carmens und Jürgens Ausstellung besucht, eine Exklusivführung bekommen und danach einen sehr, sehr lustigen Abend bei einem Italiener gehabt.
Und für unsere Team-Besprechungen zwischendrin hatten wir ein ganz besonderes Séparée: einen kleinen Hochgarten über den Dächern des Bauwerks. Da oben gab es auch einen schmackhaften trockenen Roten.“

Erfolgreich gearbeitet wurde sowieso: Hier dürfen wir exklusiv die Abschlussarbeiten der Teilnehmer/Innen vorstellen:

Dafür herzlichen Dank!

Diptychon – Ralf Drost
Diptychon – Petra Müller-Glodde
Diptychon – Claudio Jarat


Diptychon – Anne Killat

Fotografie im Frühling

Frühling ist für mich das große Fest der Draußenfotografie. In keiner anderen Jahreszeit geschieht innerhalb weniger Tage so viel in der Natur. Nun habe ich das Glück, nahe an einem wunderschönen naturbelassenen Bachlauf zu leben, an dem ich herumstromern und mich herrlich verlieren kann. Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr beglückt: das scheinbar ziellose Umherstreifen in Gummistiefeln unter Altholz hindurch, am Wasser entlang, in schierer Freude über alles, was der Frühling vor mir ausbreitet. Oder doch der genaue Blick, der mich dazu verleitet, mich vor ein Leberblümchen hinzukauern, um ihm mit der Kamera auf Augenhöhe zu begegnen. Dieses Jahr hat es mich ganz besonders erwischt und ich habe mich damit gewissermaßen in die Tradition von „WennHeldenReisen“ eingeklinkt.

Denn jeder, der Martin Timm eine Weile als Dozent erlebt hat, weiß von Martins Liebe zu Schneeglöckchen. Kein März ohne neue feine Impressionen, kein Frühling ohne Schwärmerei für die zarten weißen Gesellen…. Und ich bin mir sicher, nicht wenige unter uns haben sich schon mal von Martins Begeisterung anspornen lassen, sich auch in die feuchte Frühlingserde zu werfen, um so ein Zauberbild mit nach Hause zu nehmen….

Dieses Jahr also auch ich. Frühlingsknotenblumen, Märzenbecher, falsche Schneeglöckchen oder wie sie auch immer heißen mögen, haben es mir angetan. Nein, es sind nicht dieselben, nicht so zart und schlank in der Blüte wie Martins Models, aber vielleicht liegt es an meinem bayerischen Gemüt, dass ich diese gepunkteten Verwandten mit ihren barocken Formen so in mein Herz geschlossen habe. Und: es gibt von ihnen Hunderte. Tausende. Verschwenderisch breiten sie sich aus, ergießen sich in weiß grünen Teppichen den Bachlauf entlang, schieben sich durch die Wurzeln an der Böschung bis zum Wasser herunter. Ein Fest für Auge und Herz.

Und nun die fotografische Erkenntnis: So wunderbar sie sich mir im Detail erschließen mögen, als einzelne Blümchen, den Eindruck der Gesamtheit bekomme ich nicht annähernd aufs Bild; jedes Foto macht den wahren Zauber ein bißchen platt. So bin ich mit den schönsten Bildern in mir und wenigen Annäherungen in der Kamera nach Hause gepilgert und habe doch so viel mitgenommen. Zwei Jahre Heldenakademie haben mir die Sinne geschärft fürs Sehen, haben mir den Zugang für das sich Einlassen ermöglicht und die Erkenntnis, dass die Fotografie bestimmt noch ganz andere Wege gehen kann, die es zu ergründen gilt…..

Ich wäre ja wahnsinnig neugierig, ob irgendwo da draußen das ultimative Schneeglöckchenteppich-Zauberbild existiert und seinen Weg in diesen blog findet?

Winterakademie: „Workshop intensiviert und verdichtet meine Fotografie“

Dietmars Spezialbereich ist die Architekturfotografie. Er ist seit 25 Jahren Mitglied in einem  Fotoclub mit über 100 Mitgliedern und leitet diesen mittlerweile. Mit einem Siegerfoto bei einem Fotowettbewerb hat er die Teilnahme an der „Winterakademie“von „Wenn HeldenReisen“ gewonnen.
In diesem einwöchigen Intensivseminar kann man in die FotokunstAkademie gründlich hineinschnuppern und und ein Thema seiner Wahl coachinggeführt erarbeiten.

Dietmar: „Durch meine Beschäftigung – im Besonderen mit der doch sehr speziellen Nachbearbeitung meiner Aufnahmen – habe ich schon etwas Abstand zu der klassischen Architekturfotografie bzw. dem gegenständlichen Abbilden bekommen. Es standen bei mir immer mehr die Visionen im Vordergrund, die ich beim Betrachten einiger architektonischen Kunstwerke empfunden habe.

Aber was mir bei diesem Workshop geboten wurde, hat mich dem Medium weiter geöffnet und mich zu einem Umdenken in meinem fotografischen Tun motiviert.
Auch die Umsetzung von Bildideen ohne große nachträgliche Bearbeitung hat mich bei den gezeigten Arbeiten der Kursleiter sehr beeindruckt, ich war überrascht, was da alles möglich ist.

Coaching-Erfahrungen

Die Coaching Runden waren für mich die Highlights des Workshops. Wann hat man schon mal Gelegenheit, mit einem erfahrenen Dozenten so konzentriert an einem Thema zu arbeiten und dann noch das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass etwas aus einem herausgekitzelt wird, das tief im Innern verborgen ist?

Auch die ruhige Art von Jürgen und die stressfreie Atmosphäre des Umfeldes haben ihr übriges dazu beigetragen. Wir haben uns blendend verstanden und ich hätte mich Stunden lang mit ihm über die Fotografie austauschen können.

Jürgen hat mit viel Gespür erkannt, dass mich die Architektur weiterhin sehr bewegt und nicht loslässt.
So hat er ein Thema aus mir herausgelockt, wovon ich direkt begeistert war – die Architektur der Natur. Dazu habe ich kein großes Umfeld an Motiven mehr gebraucht, die sind mir quasi in die Linse gesprungen.

Das hieß aber auch, mir im Vorfeld mehr Gedanken über meine Bildideen und deren gestalterische Umsetzung mit der Kamera zu machen. Da hat schon ein Umdenken stattgefunden. Die Auseinandersetzung schon beim Fotografieren, das ist ja das große Ziel. Wenn ich einfach ein Objekt fotografiere, und innerlich passiert gar nichts, dann fehlt mir auch beim Ansehen etwas. Dagegen, wenn ich schon beim Fotografieren etwas verspüre und glücklich bin mit dem Bild, dann  überträgt sich das auf das Ansehen später. Dann hat man das Bild gemacht, das man machen wollte. 

Jürgen hat mich ermutigt, mehr zu wagen, mehr zu spielen mit den Möglichkeiten, die man hat. Anfänglich bin ich noch nach meiner herkömmlichen Manier mit vollem Fotorucksack und Stativ losgezogen, um bloß alles dabei zu haben und gewappnet zu sein. Von Tag zu Tag wurde dies weniger und am letzten Tag hatte ich nur noch meine Kamera mit einer Linse bei mir. Rückblickend muss ich feststellen, dass da die besten Bilder für mich entstanden sind.

Äste als flächige Form..

Struktur und Licht

Geometrie des Winters

Das ist mein Lieblingsbild. Die Lichtbrechung im scharfen Bereich, diese Interferenzerscheinung,  hat mich selbst umgehaun.

Was nehme ich für mich mit und was hat sich geändert

Ich war vor dem Workshop gesättigt von den Bildern, die man tagtäglich zu Hauf zu Gesicht bekommt und einen nicht mehr ansprechen. Es fehlt bei vielen Bildern das gewisse Etwas, auch wenn sie technisch einwandfrei umgesetzt sind und da klammere ich mein Schaffen auch nicht ganz aus.

Ich erlebe leider oft im Clubleben oder in anderen Communities, dass die Technik im Vordergrund steht, aber kein Fortschritt in der Bildgestaltung zu erkennen ist. Dies ist ein Punkt, wo ich ansetzen werde, einmal in dem Fotoclub, den ich leite und natürlich bei mir selbst.

In dem Workshop habe ich gespürt, was es sein könnte, was aus einem Bild etwas Besonderes macht. Es muss von mir kommen. Etwas das mich berührt und bewegt.“

Mehr von Dietmars Bildern gibt es hier zu sehen, das nächste Intensivseminar bei „WennHeldenReisen“ ist die Sommerakademie 2019 auf Sylt.

Porträt einer bemerkenswerten Ausstellung…

 … aus der Blickrichtung von Birgitt Matkowitzeiner Besucherin.
Vielen Dank, dass wir diesen Text hier veröffentlichen können!

Der helle Dielenboden knarrte betreten und eine Woge des Willkommenseins im stillen Dialog über das Leben umfing mich. Durch das betagte Sprossenfenster an der Stirnseite lugte gefiltertes Wintersonnenlicht und schmeichelte der Atmosphäre dieses ehrwürdigen Schlossraumes aus dem 16. Jahrhundert. Ich hatte Glück, die Mehrzahl der Starnberger spazierte heute am See, nicht in eine Ausstellung; so stand ich für einen Moment allein inmitten ausdrucksstarker Schwarz-Weiß-Porträts und ließ mich überrumpeln von ihrer Schönheit.

Was bewirkte, dass sie mich derart in ihren Bann zogen?

Unter jedem Foto befand sich ein kleiner Text auf weißem Hintergrund mit einer Äußerung der porträtierten Person, die als Überschrift für ihr Leben und Wirken gelten konnte. Ein Kernsatz der Lebensspur, die bereits hinterlassen wurde. Ich untersuchte die Übereinstimmung dieser Worte mit dem abgebildeten Gesicht und der zugehörigen Gestik und guckte mich damit in ein Zwiegespräch mit einem Menschen, den ich gerade kennenlernte. Fantastisch, wie es funktionierte.

Doch das allein war nicht der Schlüssel zur Magie, der ich erlag. Ich begab mich neugierig in den anschließenden großen Saal.

́Künstler der Tafelrunde ́ – schoss mir in den Sinn, mir, die ich als Kind an der Seite von König Artus gekämpft hatte, und durch alte Schlösser gestreift war, als sei ich deren Besitzerin. Die abgebildeten Personen waren nicht alle Künstler, nein, aber das galt es jetzt nicht so genau zu nehmen. Worum es ging, war der Dialog, der im Raum flirrte. Früher saßen hier Menschen um einen Tisch herum, jetzt kommunizierte das reale Leben still von der Wand herunter. Doch auch das traf noch nicht den Punkt. Ich platzierte mich in die Raummitte (dahin, wo früher die Tafel stand), und plötzlich wusste ich es:

Die Augen! Ich konnte in ihren Augen lesen!

41 Personen mit 41 Wesenszügen. Sonnige, nachdenkliche, fröhliche Purzelbäume schlagende, von zielgerichtetem Willen geleitete, sich selbstsicher behauptende, hinterfragende, und zahlreiche weitere aus übergeordneten Zuschreibungen in variantenreichen Details aus Augen ablesbar. Augen, die fast durchgehend strahlten. Emotionen, festgehaltenen Bewegungen, die nie eingefroren wirkten sondern die Zukunft würden überdauern können.

Dem Fotografenduo Carmen Kubitz und Jürgen Wassmuth ist es gelungen, die Seele der jeweiligen Person zu erreichen. Innere Schönheit wird sichtbar und erlebbar. Hier ist neben Können auch Kunst im Spiel.
Schufen sie mit ihrer Arbeit eine Form von Unvergänglichkeit, die selbst im hohen Alter, wenn der Blick vielleicht erlöschen wollte, immer noch erkennbar sein würden?

Wie ich erfuhr, entstanden alle Porträts während eines sehr persönlichen Dialoges zwischen drei Menschen. Zwei Fotografen im Gespräch mit der porträtierten Person in den Spuren ihres Lebens. Emotionen, die Bewegung auslösen. Lebensspuren, Emotionen, Bewegung, sichtbar für uns, die Betrachter. Eine sehr persönliche Angelegenheit festgehalten für die Ewigkeit.

Das Licht im Raum hatte sich zwischenzeitlich gewandelt, wirkte jetzt gedimmt, ähnlich meiner Speicherkapazität für intensive Eindrücke. Langsam lief ich in umgewandter Reihenfolge noch einmal an den Gesichtern der Menschen vorbei, die bereit gewesen waren, ihre Lebensspuren der Zeitschreibung zur Verfügung zu stellen, zurück zu meinem Ausgangspunkt. Dorthin, wo auch mein Lieblingsporträt hing, das einer Frau, einer Künstlerin, mit der Aussage: „…weil ich mit der Hand mein Herz ausdrücken und mich verschenken kann.“

Wo bleiben meine Kritikpunkte? So viel Lobhudelei ist ja peinlich. Ich geh dann mal. Nach über zwei Stunden…

„Zu zweit auf einem Surfbrett durch die Wellen reiten? Das funktioniert nicht!“ „Doch“, nickte ich. „Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.
Birgitt Matkowitz

Das Buch „Lebensspuren“ ist im Allitera Verlag erschienen und kostet 29.-€.

Und hier noch ein paar Impressionen zur Ausstellung in Schloß Kempfenhausen am Starnberger See, 26.1. bis 24.2.2019.

Elisabeth Carr eröffnet die Vernissage

Fotografen und Fotografierte

Jürgen Wassmuth und Anatol Regnier

Buch und Ausstellung werden der Öffentlichkeit übergeben

Corimage, Lebensspuren, Ausstellung, Porträt

 

 

Über einen Freund…

Beim Durchforsten meiner Fotos bin ich auf eine Geschichte in wenigen  Bildern gestoßen, die mir aber so am Herzen liegt, dass ich den blog nutzen möchte, um sie mal eben loszuwerden … einfach so…

Es geht um Yonas. Ich kenne ihn seit über vier Jahren. Er ist einer von den  vielen Menschen in unserem Ort, die unseren Umgang mit Fremdheit und Offenheit neu belebt haben. Die unser Verhältnis zu Frieden und Wohlstand ein bißchen gerade geklopft haben und uns als Bürger und Mitmenschen gefordert haben. Seit Ende 2014, als sie plötzlich da waren. Und blieben.
Yonas erhielt seinen Aufenthaltsstatus, absolvierte die geforderten Deutschkurse und fand einen Arbeitsplatz bei einem Gartenbauer, wo er sehr geschätzt wird, weil er stark ist, offen und freundlich. Er lebt bis heute in einer Gemeinschaftsunterkunft mit anderen Männern aus Eritrea, Syrien, Afghanistan.
Als Yonas aus seiner Heimat weglief, ließ er seine Frau Johanna zurück. Sie waren kurz zuvor verheiratet worden.  Johanna wollte nicht alleine in der Familie ihres Mannes bleiben, zwei Jahre nach Yonas verließ sie Eritrea ebenfalls heimlich. Sie ging nach Addis Abeba und blieb dort, um eine Vorladung in der deutschen Botschaft und damit den erlaubten Weg über den gesetzlich geregelten Familiennachzug nach Deutschland abzuwarten. Nach über einem Jahr war sie des Wartens alleine illegal in der Fremde überdrüssig und machte sich auf den Weg zu ihrem Mann. Ohne die benötigte Registrierung als seine Ehefrau.

Yonas schickte viel erarbeitetes und erliehenes Geld an Bekannte und Schlepper auf Johannas Weg. Johanna verschwand im Sudan und tauchte wieder auf, Johanna verschwand in Libyen und meldete sich Wochen später aus einem Versteck, harrte ein halbes Jahr aus, bis sie auf ein Boot kam. Sie erreichte Sizilien.
Nahe Catania saß sie sieben Monate in einem Flüchtlingslager fest, ohne Aus- und Einreiseerlaubnis nach Deutschland. In einem Zimmer mit einer Türe ohne Schloss. Yonas schickte Geld für Kleidung, Handy und Medikamente, flog hin, kam zurück, arbeitete, schickte Geld. Nach Monaten des Wartens, der Behördengänge bei Landratsamt, Asylberatung und Rotem Kreuz, nach Kontakt mit dem UNHCR, dem BAMF kam eines Tages eine kurze Nachricht aus Italien:
Tag, Uhrzeit, Ankunft am Flughafen München, Flug EW 1901 aus Catania
Einfach so.

Ein deutscher Flughafen ist nicht dafür gemacht, Menschen ohne Sprachkenntnisse ihren Koffer und den Weg nach außen finden zu lassen und die Menschen hinter den Türen sind anscheinend auch nicht gemacht, einer suchenden Frau ohne Sprachkenntnisse dabei zu helfen, aber auch diese Hürde hat Johanna schließlich genommen.

Und dann dann war sie da. Einfach so.

Mittlerweile ist Johanna ein halbes Jahr hier. Sie hat Yonas Papierchaos sortiert, kocht hervorragenden eritreischen Kaffee und hat das Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft ein bißchen hübscher gemacht. Ansonsten wartet sie, auf ihre Papiere und damit auf die Erlaubnis zu Deutschkurs und Arbeit. Bis dahin ist sie tagsüber meist alleine, denn Yonas arbeitet viel. Geld zurückzahlen und sparen auf eine Wohnung. Falls es je eine geben sollte. Wir leben einer privilegierten Gegend Oberbayerns, da sind günstige Wohnungen und Zimmer rar. Vor allem für Flüchtlinge.